Fussballtraining ohne Goalie aber mit Desinfektionsmittel

 

MICHAEL MAURER

 

Ein wichtiger Bestandteil der COVID-19-Massnahmenlockerungen der vergangenen Wochen sind der Abbau von Restriktionen im Sport. Als weitherum erster Fussballclub im Breitensportbereich hat der FC Reichenbach die Chancen dieser Lockerungen wahrgenommen. Die erste Mannschaft trainiert wieder, jedoch anders als je zuvor. Das erforderliche COVID-19-Schutzkonzept fordert Trainer und Spieler in verschiedener Hinsicht, fördert aber auch neue Fähigkeiten. Die Bilanz für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs fällt denn auch positiv aus.

 

 

Fussballtrainings sind seit dem 11. Mai 2020 wieder erlaubt. Als weitherum erster Breitensportfussballverein trainieren die grün-schwarz-weissen Fussballer seither wieder und bringen Normalität rund ums «runde Leder» ins Kandertal zurück. Dies aber aufgrund der umfangreichen Bestimmungen des COVID-19-Schutzkonzeptes auch nur ein Stück weit. Derzeit beschränkt sich der Trainingsbetrieb auf die 1. Mannschaft des Drittligisten und noch sind nicht alle üblichen Trainingsinhalte möglich. Trotz weiterhin bestehender Einschränkungen und einigem Zusatzaufwand haben sich die Clubverantwortlichen gleich aus mehreren Gründen für die Trainingsaufnahme entschieden.

 

 


 

 

«Die Mannschaft hat darauf gebrannt»

 

Der technische Leiter und gleichzeitige COVID19-Verantwortliche, Christian Kallen, erwähnte gegenüber dem «Frutigländer» die zeitlichen Ressourcen und die Motivation als Treiber für den Entscheid. «Wir hatten alle Zeit», erklärt er. Somit war es möglich, ein Schutzkonzept zu erarbeiten und die Kontakte mit den Behörden zu pflegen. Für diese hat der Sportchef viel Lob übrig. «Die Unterstützung vonseiten der Gemeinde Reichenbach war sensationell», beschreibt er dankbar die unbürokratische und zügige Zusammenarbeit. Dies motivierte ebenso wie das Verlangen des Fanionteams nach der Rückkehr zurück auf den Rasen. Somit sind die Trainings bislang konstant von 16 Kickern besucht worden. Deren Coach, Peter Kunz, bilanziert, dass damit die Teilnahmezahlen höher seien als teilweise bei den Meisterschaftstrainings.

 

 

Torschusswand als Goalie-Ersatz

 

Sehr erfreut über die stückweise Rückkehr zur Normalität ist gerade auch der Trainer der ersten Mannschaft. «Für mich war es wichtig, dass wir wieder zusammen sind», hebt Peter Kunz die soziale und sportliche Bedeutung des wegweisenden Entschlusses bei den «Reichenbachern» hervor. Für ihn sind die Trainingseinheiten aufgrund der Corona-Virus-bedingten Schutzmassnahmen bedeutend aufwändiger. «Der Trainer muss alles selber aufstellen und auch abräumen», erklärt er. Zudem sind die Hygiene- und Social-Distancing-Massnahmen auch während dem Training allgegenwärtig. Das Berühren von Bällen mit der Hand ist verboten, Abstand halten und die Händedesinfektion sind Pflicht. Die Schutzmassnahmen prägen schliesslich ebenso die Trainingsinhalte. Anstelle eines Torwartes blickt Kunz’s Jungs eine Torschusswand entgegen. Wenig überraschend, sind Zweikämpfe und Matches Tabu. Daraus entstehen jedoch auch Chancen. Der leidenschaftliche Reichenbacher Trainer nennt in diesem Zusammenhang gerade Übungen für die Ballmitnahme und -annahme und die Konzentration. «Konzentration ist etwas vom Wichtigsten im Training zur Einhaltung des Schutzkonzeptes», betont Kunz. Doch, Konzentration wird auch bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs in sportlicher Hinsicht entscheidend sein und kann so nun gefördert werden.

 

 


 

«Es kommt gut an»

 

Ein typisches Training besteht aktuell aus verschiedenen Posten, die in Gruppen von vier bis fünf Personen durchlaufen werden. Dabei stärken sich die grün-schwarz-weissen Kicker insbesondere im technischen Bereich, etwa in der Ballführung oder mit Passübungen. «Die Übungen sind Knochenarbeit», meint Christian Kallen dazu und begründet dies mit den situationsbedingt wenig spielerischen Inhalten. Dies schmälert aber die Motivation der Teilnehmenden kaum. «Bei den Spielern kommt es gut an», folgert Drittliga-Trainer Kunz.

 

Natürlich freut auch er sich auf eine weitere Entspannung der Situation: «Wir sind sicher froh, wenn alles gelockert ist», sieht er bereits erwartungsvoll Matches mit den doch so fussballtypischen Zweikämpfen entgegen. Mit einer Spur von Enthusiasmus blickt ebenfalls der Sportchef in die Zukunft: «Ich gehe davon aus, dass wir ab Anfang Juli wieder beinahe wie früher trainieren können», wagt er eine Prognose und erwähnt dabei ebenso Testspiele und den jeweils im Juli stattfindenden Kien Cup. Allerdings wird bis dahin und wahrscheinlich auch darüber hinaus das COVID19-Schutzkonzept das Geschehen auf dem Gand in Kien mitprägen. Desinfektionsmittel wird somit neben Bällen und Stollenschuhen auch weiterhin zur Ausrüstung auf dem Fussballplatz zählen.